Wie Phönix aus der Asche
Viel war nicht übrig, als nach dem Krieg der Wiederaufbau des stark zerstörten Hanau begann. Von den 100 Wohnungen, die die Baugesellschaft Hanau in ihrem Gründungsjahr 1942 von ihrer Rechtsvorgängerin, der Baugenossenschaft Hanau 1938 eGmbH übernahm, wurden fast alle in einer einzigen Bombennacht zerstört.
Kurze Zeit nach der Kapitulation entstanden schon die ersten wieder aufgebauten Wohnungen am Kinzigheimer Weg. Jedoch fiel erst vier Jahre später der Startschuss zum großangelegten Wiederaufbau der Stadt. In der Französischen Allee entstanden die ersten 200 Wohnungen. Der Innenstadtbereich wurde fast vollständig vom damaligen Hanauer Wohnungsverwalter wieder aufgebaut. Ein einzigartiger Kraftakt für das junge Unternehmen.
Nach einer starken Phase der Expansion in den 50er Jahren verfügte die Baugesellschaft Hanau 1960 bereits über 2000 Wohnungen. Es war ihr gelungen, in nur elf Jahren die größte Wohnungsnot nach dem Krieg zu lindern und vielen Obdachlosen und Vertriebenen eine neue Heimat in Hanau zu schaffen.
Große Projekte – Große Herausforderungen
„Der Bau des Tümpelgartens war eine große Herausforderung für die Baugesellschaft Hanau. Schließlich ging es darum, einen kompletten Stadtteil neu zu errichten,“ erzählt Carl Edward Günther, Geschäftsführer der Baugesellschaft Hanau, über das ehrgeizige Projekt von 1963. Innerhalb eines Jahres wurden zwischen Lamboystraße und Kinzigaue die ersten Hochhäuser fertiggestellt. 80 Prozent der 700 Wohnungen, die dort bis 1968 gebaut wurden, errichtete die Baugesellschaft Hanau.
Doch es ging nicht allein um die schnelle Schaffung von Wohnraum, wie der damalige Geschäftsfrührer Hans Heimerl feststellte, sondern „um die Verbesserung der Lebensqualität in der boomenden Industriestadt Hanau.“
Während die Bauarbeiter im Tümpelgarten noch arbeiteten, planten die Ingenieure und Architekten schon das nächste Großprojekt: die Weststadt als westliche Erweiterung von Kesselstadt. 536 Mietwohnungen, 98 Betreuungsbauten (zum Beispiel: eine Grundschule, ein Ladenzentrum, ein Jugendzentrum und eine Altenwohnanlage) und 20 Einfamilienhäuser konnte die Baugesellschaft Hanau bis 1972 fertig stellen.
Nicht nur die Zahl der Wohnungen wuchs in dieser Zeit rasant, auch die der Angestellten nahm stark zu. „Wir brauchten einfach irgendwann mehr Platz. Daher haben wir uns ein Verwaltungsgebäude in der Steinheimer Straße gebaut und es mit einem Wohnhochhaus kombiniert,“ so Günther zu dem 1965 bezogenen neuen Bürogebäude für den Wohnungsdienstleister.
Bauabwicklung und Modernisierung: Neue Standbeine der Baugesellschaft Hanau
Unter dem Motto „Eigenheimbau und Rationalisierung“ startete die Baugesellschaft Hanau in die 70er Jahre. Der Trend zur Hochkonjunktur hatte einen Bauboom ausgelöst und die Baupreise nach oben klettern lassen. Montagemauerwerk und Fertigbauteile waren eine kostengünstige Alternative, um nicht ganz auf Neubauten verzichten zu müssen.
„Vielleicht haben wir damals auch einige Fehler begangen und einfach zu schnell zu viel gebaut. Aber die Wohnungen waren knapp und Hanau brauchte nach den geburtenstarken Jahrgängen in der Nachkriegszeit schnell neuen Wohnraum,“ gibt Günther zu Bedenken.
Weil auch aufgrund sinkender Mittel für den sozialen Wohnungsbau zunehmend das Geld für eigene Bau- projekte fehlte, erschloss sich der Wohnungsdienstleister eine neue Einnahmequelle: Er wickelte immer mehr Bauvorhaben anderer ab.
1975 stellte die Baugesellschaft Hanau erstmals einen Antrag auf Mittel im Rahmen des Bund- Land- Modernisierungsprogramms. Mit dem Geld wurden 35 neue Bäder in Altbauwohnungen eingebaut. Ab 1977 wurde die Modernisierung zu einem Schwerpunkt der Bautätigkeit.
„1978 war dann ein absoluter Tiefpunkt für uns. Zum erstenmal seit 1942 konnten wir keine neuen Mietwohnungen bauen“, berichtet Günther aus dieser Zeit. Die Krise im sozialen Wohnungsbau begann sich abzuzeichnen.
Sozialer Wohnungsbau in der Krise
Die 80er Jahre standen ganz im Zeichen von Sanierung und Modernisierung. Vor allem die Wohnungen im Stadtteil Kesselstadt wurden grundlegend erneuert. Aufgrund leerer Staatskassen verlor der geförderte soziale Mietwohnungsbau stark an Bedeutung. Neuer Schwerpunkt der Bauaktivitäten des Wohnungsdienstleisters wurden Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und die Pflege des vorhandenen Wohnungsbestandes.
1990 entfiel die Gemeinnützigkeit für die Baugesellschaft Hanau, die Tätigkeiten konnten somit auf die angrenzenden Kommunen im Rhein-Main-Gebiet ausgeweitet werden.
Ende der 90er Jahre waren bereits über 5000 Wohnungen im Bestand der Baugesellschaft Hanau.
Vom Wohnungsverwalter zum Dienstleister rund ums Wohnen
„Früher haben wir uns hauptsächlich darum gekümmert, den Mieterinnen und Mietern eine schöne und trotzdem bezahlbare Wohnung zu bieten. Heute geht es um mehr“, erläutert Günther den Wandel, den die Baugesellschaft Hanau seit einigen Jahren durchläuft. „Ebenso wichtig ist uns, auch ein ansprechendes Wohnumfeld zu schaffen. Die Leute leben ja nicht nur in ihren vier Wänden, sondern auch in ihrem Viertel und in ihrer Stadt.“
